European Health Data Space

Der Europäische Gesundheitsdatenraum

Der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) etabliert einen regulatorisch und technisch harmonisierten Rahmen für die Nutzung elektronischer Gesundheitsdaten innerhalb der EU. Kernziel ist die Interoperabilität nationaler Systeme sowie der sichere, grenzüberschreitende Zugriff auf klinisch relevante Informationen.

EU 2025/327 Rechtliche Grundlage des EHDS
MyHealth@EU Standardisierte europäische Datenarchitektur
ELGA Österreichische operative Integration

Strategische Einordnung für Pharma-Executives, Marketing und MSL

Die Verordnung (EU) 2025/327 schafft mit der Infrastruktur MyHealth@EU erstmals eine standardisierte Datenarchitektur für Europa. Bis 2029–2031 werden strukturierte Datentypen wie ePrescriptions, Patient Summaries, Labordaten, Bildgebung und Entlassungsberichte EU-weit verfügbar.

Für Österreich erfolgt die operative Integration über ELGA, basierend auf der Novelle des Gesundheitstelematikgesetzes (GTelG 2012).

Relevanz: regulatorische Harmonisierung und grenzüberschreitende Nutzbarkeit von Gesundheitsdaten

Sekundärdatennutzung: Paradigmenwechsel für die Pharmaindustrie

Ein zentraler Hebel ist die Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten („secondary use“).

  • Nutzung klinischer Routinedaten außerhalb des ursprünglichen Versorgungszwecks
  • Institutionalisierter Zugang unter klar definierten Governance-Strukturen (Health Data Access Bodies)
  • Übergang von hypothesengetriebenen zu datengetriebenen Geschäftsmodellen („data-driven pharma“)
Zentrale Anwendungsfelder
  • Real-World Evidence (RWE)
  • Pharmakoepidemiologie
  • HTA und Pricing
  • Targeting & Segmentierung von HCPs
  • Clinical Trial Feasibility

Datenanonymisierung vs. Pseudonymisierung

Pseudonymisierung

  • Personenbezug bleibt indirekt erhalten (Re-Identifikation theoretisch möglich)
  • Schlüssel wird getrennt gespeichert
  • Typischer Einsatz: longitudinale Analysen, Kohortenstudien
  • Reguliert unter GDPR (Art. 4, Recital 26)

Anonymisierung

  • Irreversible Entfernung jeglicher Identifizierbarkeit
  • Kein Personenbezug mehr → außerhalb GDPR
  • Limitation: geringere analytische Tiefe, z. B. keine Rückverfolgung
Relevanz für Pharma:
  • Pseudonymisierte Daten sind für RWE und Market Access strategisch überlegen
  • Anonymisierte Datensätze eignen sich für breitere epidemiologische Modelle

ELGA als nationaler Daten-Hub

ELGA fungiert als primäre Datenquelle in Österreich:

  • Strukturierte klinische Daten (Befunde, Medikation, Entlassungsbriefe)
  • Hohe Penetration im Versorgungssystem
  • Zukünftig: Integration in MyHealth@EU → europäische Skalierbarkeit

Strategisches Potenzial: Datengetriebene Wertschöpfung

Der EHDS ist ein Katalysator für eine datengetriebene Gesundheitsökonomie.

  • Acceleration von Real-World Data Platforms
  • Präzisere KOL- und HCP-Identifikation
  • Verbesserung von Patient Journeys und Outcome Measurement
  • Integration in AI-gestützte Modelle, z. B. Predictive Analytics
Trend: Konvergenz von Pharma, MedTech und Data Science hin zu „Evidence-as-a-Service“.

Fazit

Der EHDS transformiert Gesundheitsdaten von einem regulatorischen Risiko zu einem strategischen Asset. Für Life-Science-Unternehmen entsteht ein skalierbarer Zugang zu qualitativ hochwertigen Real-World-Daten – unter Einhaltung europäischer Datenschutzstandards.

Frühzeitige Investitionen in Dateninfrastruktur, Governance und Analytics sind entscheidend, um Wettbewerbsvorteile in einer zunehmend datengetriebenen Industrie zu sichern.